Das Thema
19.09.2026 | Die "Gewaltfreie Kommunikation" - abgekürzt: GFK
Fotos: Tom Claves
"Gewaltfreie Kommunikation": die vier Schritte
- Das Modell hat vier Schritte: Beobachtung (ohne Bewertung), Gefühl, Bedürfnis und Bitte.
- Ein Beispiel: Statt „Du hörst mir nie zu!“ heißt es in GFK-Sprache: „Wenn du beim Erzählen aufs Handy schaust (Beobachtung), bin ich traurig (Gefühl), weil mir Verbundenheit wichtig ist (Bedürfnis). Wärst du bereit, das Handy kurz wegzulegen? (Bitte)“
„Wenn ich traurig bin oder wütend, habe ich mich bisher selten gefragt, was für ein Bedürfnis meinerseits dahintersteckt.
Ein Teilnehmer
"Gewaltfreie Kommunikation": der Erfinder
- Marshall B. Rosenberg (1934–2015) war ein US-amerikanischer Psychologe und Mediator.
- Er wurde in Canton, Ohio, geboren und wuchs in Detroit auf, wo er als Kind Gewalt und Rassenunruhen erlebte.
- Diese Erfahrungen prägten seine Frage: Warum verhalten sich Menschen gewalttätig, und wie lässt sich Mitgefühl fördern?
- In den 1960er-Jahren entwickelte er die Gewaltfreie Kommunikation (GFK), zunächst in der Arbeit an Schulen und in Konfliktsituationen der Bürgerrechtsbewegung.
- Kernidee: Hinter jedem Vorwurf steckt ein unerfülltes Bedürfnis. Wer das erkennt, kann Konflikte verbindend statt trennend lösen.
- Rosenberg war weltweit als Mediator in Krisengebieten tätig, etwa in Ruanda, Nahost und Nordirland.
- Sein Hauptwerk „Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens“ wurde in über 30 Sprachen übersetzt.
GFK: Gefühle sind der Wegweiser, Bedürfnisse der Kern
- Gefühle zeigen an, ob ein Bedürfnis gerade erfüllt oder unerfüllt ist. Angenehme Gefühle (Freude, Ruhe, Dankbarkeit) signalisieren Erfüllung, unangenehme (Ärger, Traurigkeit, Angst) signalisieren einen Mangel. Rosenberg unterscheidet dabei echte Gefühle von versteckten Bewertungen: „Ich fühle mich ignoriert“ ist kein Gefühl, sondern eine Deutung des Verhaltens anderer. Das eigentliche Gefühl wäre etwa Einsamkeit oder Enttäuschung.
- Bedürfnisse sind die universellen menschlichen Anliegen hinter allem Handeln, zum Beispiel Sicherheit, Verbundenheit, Autonomie, Wertschätzung, Sinn oder Ruhe. Sie sind nach Rosenberg bei allen Menschen gleich, unabhängig von Kultur oder Situation. Streit entsteht meist nicht über Bedürfnisse selbst, sondern über die Strategien, mit denen man sie erfüllen will („Du sollst mehr Zeit mit mir verbringen“).
GFK: Zusammenspiel zwischen Gefühl und Bedürfnis
- Ein Gefühl entsteht nicht durch das Verhalten des anderen, sondern durch das eigene Bedürfnis. Der Auslöser ist der Anlass, nicht die Ursache.
- Wer Gefühl und Bedürfnis klar benennt, statt zu beschuldigen („Du bist immer so unzuverlässig“), macht sich verletzlich, aber auch verständlich.
- Dasselbe gilt in die andere Richtung: Wer beim Gegenüber nach dessen Gefühlen und Bedürfnissen fragt (Empathie), entschärft Konflikte, weil sich beide auf gemeinsame menschliche Anliegen beziehen.
„Die GFK beinhaltet nichts Neues; alles, was in die GFK integriert wurde, ist schon seit Jahrhunderten bekannt.
Es geht also darum, uns an etwas zu erinnern, das wir bereits kennen – nämlich daran, wie unsere zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war.
Und es geht auch darum, uns gegenseitig bei einer Lebensweise zu helfen, die dieses Wissen wieder lebendig macht.“ (…)
(Quelle: Gewaltfreie Kommunikation, Marshall B. Rosenberg, Eine Sprache des Lebens, Junfermann 201612, S. 17-18)
Die Referentin
Foto: Elisa Gandini
Anne Gandini
Anne Gandini lebt im südlichen Münsterland, ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und Lehrerin an einem Gymnasium in Ostwestfalen.
Als zertifizierte Beratungslehrerin entdeckte sie die „Gewaltfreie Kommunikation“ (GFK). Sie absolvierte eine einjährige Ausbildung und möchte die Inhalte und Werte der GFK für ein friedvolleres Zusammenleben weitergeben.