„Auf zu neuen Ufern – Kirche im Wandel“ unter dieses Thema war der Oster-Pfarrbrief unserer Pfarrei St. Laurentius in Warendorf gestellt und das Redaktionsteam suchte Beiträge.

Ich fühlte mich angesprochen: die zurückgehenden Priester- und Gläubigenzahlen bringen es mit sich, dass schon jetzt an Wochenenden Wortgottesdienste gefeiert werden und es auch gottesdienstfreie Werktage gibt. So auch in meiner Gemeinde.

Ich entschloss mich, in der österlichen Bußzeit jeweils am Donnerstag um 06:15 Uhr ein Morgenlob anzubieten. Es gehört zur sogenannten Tagzeitenliturgie, ist eine offizielle, gesamtkirchliche und eigenständige Liturgieform und kann unabhängig von Klerikern oder beauftragten Laien gefeiert werden.

Über die Kirchenzeitung, das Nachrichtenblatt der Gemeinde und über ihre SozialMedia-Auftritte machte ich vor Beginn der Fastenzeit darauf aufmerksam. Aufhänger war ein Wort von Dietrich Bonhoeffer: „Das Gebet in der Früh entscheidet über den Tag“. Der Einladung, diesem Gedanken nachzuspüren verband ich mit dem Angebot, es einmal in der Woche auch gemeinschaftlich zu beten. In einer Gemeinschaft, in der dann auch die Verheißung Jesu spürbar wird: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20)

Bewusst wurde das Morgenlob donnerstags, einem in unserer Gemeinde in der Regel „liturgiefreien“ Tag terminiert. Die Gottesdienstbesucher konnten die Pfarrkirche nur durch das Hauptportal betreten. Ihnen eröffnete sich sofort eine besondere Atmosphäre: auf den Bänken brannten zum Mittelgang hin Kerzen, die den Weg in den Chorraum wiesen. Als einzige Lichtquelle leuchtete das von der Rückseite angestrahlte Hungertuch. Im Chorgestühl (und der davorstehenden Bank) fanden alle Platz. Die Vorlage für das Gebet war nach dem im Internet (https://www.stundengebet.de/jetzt-beten/#gebet) abrufbaren Texten gestaltet. Als einzige Änderung ersetzte das Tagesevangelium den vorgesehenen Lesungstext. Nach den Laudes wurde in der Tradition der frühchristlichen Gemeinden ab 06:45 Uhr gefrühstückt.

Das Echo auf mein Angebot hat mich überrascht. Über WhatsApp erreichten mich folgende Nachrichten:

  • „Es war sehr schön, so früh am Morgen miteinander zu beten.“ (10.04.2025)
  • „Werde immer dabei sein, soweit ich frei bin, es hat nämlich sehr gut getan.“ (06.03.2025)
  • Ohne das Angebot hätten „… die jungen Mädchen … dieses Erlebnis nicht gehabt. Auch die Erwachsenen haben (die Laudes) gerne angenommen.“ (12.04.2025)

Im Gespräch wurde immer wieder die besondere Atmosphäre im Kirchenraum genannt.

Über ‚Mitbeterzahlen‘ habe ich mir im Vorfeld keine Gedanken gemacht. Gegebenenfalls hätte ich die Laudes auch allein gebetet. Dass sofort beim ersten Mal jedoch mehr als zehn – darunter eine Jugendliche – mitbeteten, hat mich positiv überrascht. Schon beim zweiten Mal waren fünf Jugendliche dabei. Zu einem ‚festen Stamm‘ von 14 Personen kamen jedes Mal  bis zu 4 ‚Neue‘ hinzu. Beim sich anschließenden Frühstück nahmen nicht alle teil, zuletzt waren wir 16.

Vorteilhaft war, dass eine unabhängige Person während der Laudes das Frühstück vorbereitete.

Text: Bernhard Ratermann